Curvy Barbie - Fashionista - Model Muse

... und Lammily Doll: Die Vielfalt macht's!

Curvy Latina Barbie Isabeau und Lammily Audra

Curvy Latina Barbie Isabeau & Lammily Audra

Der Sommer ist eine wunderschöne Jahreszeit. Alle möchten am Strand liegen oder in knappem Outfit glänzen. Das Problem dabei ist: alle wollen dabei gut aussehen.

Dabei liegt das völlig im Auge des Betrachters. Auch in der Welt der Barbie. Die Puppen wurden nach dem Zeitgeschmack hergestellt, und dass der rasch wechselt, ist bekannt. Dass der erste Entwurf der Schönen immer wieder sachte korrigiert wurde, wissen ja alle. Nicht nur wegen des eigentlich nie abreißenden Protestes, sondern auch der Mode wegen. Dramatik-Make-up wechselte mit frisch gewaschenem Stil, eingelegte Haarrollen mit Löwenmähnen. Dabei blieben die vorgeformten Füßchen im Großen und Ganzen gleich, so wie auch die Hände.

Lange Zeit änderte sich also außer der Kopfmodellage und dem Haar kaum etwas. In den 1990ern wurde der Barbie-Körper dann revolutioniert. Vorbei war es mit dem fast schon massig wirkenden Oberkörper. Jedenfalls sah er gegen den ultraflachen und eigentlich kaum vorhandenen Unterleib so aus. Die Wespentaille, die sich mehr oder weniger auffällig gehalten hatte, verschwand ebenfalls.

Jetzt sahen die Mädels ein gutes Stück natürlicher aus. Die Taille war zwar jetzt unbeweglich, aber der Busen weit weniger spektakulär und im Ansatz natürlicher. Einen Bauchnabel gab es jetzt endlich auch. Die Linie war weitaus schlanker - und natürlich fing das Gemecker praktisch sofort mit dem ersten Verkaufsmodell an.

Magersucht contra Normalität

Curvy Latina Barbie Isabeau

Curvy Latina Barbie Isabeau

Die Puppen waren - zugegebenermaßen - sehr dünn. Aber noch nicht gefährlich dünn. Das kam allerdings noch. Die Model-Muse-Puppen zum Beispiel haben vorstehende Hüftknochen und könnten als Broschüre für den Erhalt der Magersucht durchgehen. Für Kinder ist das wohl fragwürdig. Zudem können sich die Model-Muse-Barbies so gut wie nicht bewegen. Sie sind praktisch nur zum Posieren gedacht. Was ihr Beruf eben auch mitbringt.

Erwachsene Sammler mochten allerdings die schönen Gesichter und die lebensnahen modellierten Hände mit den lackierten Fingernägeln sehr. Die Füße haben auch sehr gewonnen bei diesen Modellen. Es gibt sogar so etwas wie Knöchel. Und natürlich passen die normalen Schuhe nicht.

Aber das kennt man ja.

Die vollbeweglichen Fashionistas brachten die Sache weiter voran. Hübsche Puppen mit sehr vielen externen Gelenken konnten die unglaublichsten Sachen machen. Sogar reiten. Vorher waren das besondere Puppen. Aber überschlank sind sie ebenfalls.

Aber dann passierte so einiges in der 1:6-Welt. Ein innovativer junger Mann mit Namen Nickolay Lamm hatte ein Faible für das Normale. Und so berechnete er die ganz normalen Durchschnitts-Maße einer jungen Amerikanerin. Was dabei ab 2013 herauskam, ist wirklich jenseits von Glamour, aber sehr nahe an der Realität. Seine "Lammily Doll" würde in Lebensgröße nicht auffallen, wenn sie durch die Stadt bummeln würde: Kräftig gebaut, mit sichtbarem Bottom, real großen Händen und Füßen, dabei nicht fett.

Sie war dazu gemacht, Kindern die Schönheit des Mittelmaßes nahezubringen. Und sie hat das auch geschafft. Die hübsch aussehende Puppe kann sich praktisch jedes kleine Mädchen als Freundin vorstellen. Oder sich mit ihr identifizieren, ohne neidisch auf ihre Puppe zu sein oder sich hässlicher zu fühlen. - Nickolay Lamm hat mittlerweile noch eine Afro-Amerikanische Puppe und ein junges männliches Modell herausgebracht.

Dann kam die große Überraschung!

Mattel entdeckte für sich die Vielfalt. Auf einmal gab es mollige Puppen, normal schlanke Puppen, sehr schlanke Puppen. Dazu kamen verschiedene Größen: sehr hochgewachsene und auch eher kleine Mädchen. Sogar die Füße variieren. Es gibt außer den Füßen für Heels auch flache Ausführungen. Jedes Mädchen findet eine Puppe, die ihr selber nahekommt. Und die Sammler schwelgen in dieser Vielfalt. Dunkelhäutige Puppen verfügen jetzt auch über verschiedene Hauttönungen.

Alle diese neuen Fashionistas sind straight - aber das stört eigentlich keinen.

Curvy Barbie Felicity

Curvy Barbie Felicity

Die "Curvy Barbie" von Mattel ist anders gebaut als die Lammily Doll, aber auch sie hat gut sortierte Oberschenkel und einen ebenso hübschen Po. Ihr Rumpf ist weniger breit, sie sieht aus wie tausende junge Frauen auf der Straße auch. Allerdings wirkt sie weitaus weniger sportlich als die Lammily.

Das Schlimme daran: man kommt mit dem Kaufen fast nicht nach. Meine Puppen-Displays sehen dank der neuen Innovationen weniger aus wie ein riesiges Schaufenster mit Modepuppen, sondern eher wie eine ganz normale Szene irgendwo im Leben. Das finde ich großartig, denn die Welt ist bunt.

Wenn eine meiner "Petite Barbies" neben einer "Model Muse" steht und beide in ein Gespräch mit, sagen wir - einer Puppe aus den frühen Achtzigern vertieft sind, hat man eine Vorstellung von den Veränderungen, die es in der 1:6-Welt gegeben hat. Da braucht man nur noch eine "Made to Move-Barbie" dazu, die gerade ihre Yoga-Übungen macht.

Dann ist es perfekt.

Also ist der Sommer für alle da - ob es nun Barbies oder ihre menschlichen Vorbilder sind. Mollig ist hübsch und alle anderen "Erscheinungsformen" eben auch.

Die Botschaft hätte man von Mattel kaum erwartet. Aber sie ist angekommen. Keine Frage.

Gruppe mit Denise Grace Audra Felicity Raven

Gruppe mit Denise Grace Audra Felicity & Raven

Das Bild mit den Schönheiten zeigt von links nach rechts:
• Model-Muse-Barbie (Denise)
• 1980er Standard-Barbie (Grace)
• Lammily Doll (Audra)
• Curvy Barbie (Felicity)
• 1990er Barbie (Raven)