Die Frau von der man spricht

Barbie, das Allroundtalent

Gruppenbild mit Barbie-Puppen

Zeitreise: Gruppenbild mit Barbies

Sie ist ein Allroundtalent und sieht hervorragend aus, sie ist durchtrainiert und in jeder Sportart zu Hause 💓

Es gibt kaum etwas, das sie nicht könnte - und nebenbei ist sie auch noch klug. Den Pilotenschein hat sie natürlich, sie fliegt auch Passagiermaschinen ✈

Böse Zungen behaupten, sie wäre die Muse aller Blondinenwitze, doch Sprüche wie diesen kann sie getrost überhören.

Sie ist die Frau, von der man spricht - und was die Vorbilder für Mädchen angeht, hält sie bei weitem die Spitze. Denn sie ist neben der Mama die erste erwachsene Freundin, die man hat und die bleibt, bis man in etwa selber so oder so ähnlich aussieht.

Die Rede ist natürlich von Barbie, der berühmtesten Frau der Welt

Zwar hat die abwertende Typisierung "Modepüppchen" tatsächlich etwas mit der 30-cm-Schönheit zu tun, in neuerer Zeit jedenfalls - doch tatsächlich war Barbie nie so gedacht. Ihre Erfinderin fand die gängigen Baby- und Kleinkind-Puppen für Mädchen eher langweilig und dachte an eine "Erwachsenen-Puppe" für Kinder.

In Europa gab es etwa 1955 die "Bild-Lilli", ein gut ausgestattetes junges Mädchen mit Pferdeschwanz und kräftigem Lidstrich. Diese Puppe war nicht als Spielzeug für Kinder gedacht, sondern gründete auf einem Comic, der damals in der Bild-Zeitung erschien. Sie war mehr ein Geschenk für Erwachsene. Doch die US-Amerikanerin Ruth Handler war begeistert, kaufte ein Exemplar, das sie etwa 1958 mit in die Staaten nahm und somit ein für alle mal die Kinderzimmer der ganzen Welt veränderte. Denn bald darauf ging "Barbie" in die Produktion ✇

Barbie - die Mannequin-Puppe

Barbie mit rotem Haar

Die rothaarige Brenda (Dolls of The World)

Ganz neu war die Idee eigentlich nicht, denn in früheren Zeiten waren nicht nur Babypuppen, sondern auch gut angezogene Damen mit komplizierten Frisuren die Lieblinge der Kinder, was alte Stiche und Gemälde dokumentieren. In neuerer Zeit allerdings hatte es eine solche Mannequin-Puppe nicht mehr gegeben. Und Millionen von kleinen Mädchen ließen ihre Puppenwiegen stehen, um dafür ein Barbie-Haus einzurichten. Eher ein Mitglied der gehobenen Mittelschicht mit dem dazugehörigen Kleidungsstil, bekam Barbie einen großen Freundeskreis und sogar Geschwister. Der nette Kerl, Ken mit Namen, mit dem sie abends ausging oder vielleicht auch ein Picknick am Strand machte - in allen Ehren natürlich - wurde durch die ganzen Jahre ihr Dauerverlobter 🍷

Das Angebot der Accessoires wurde immer reichhaltiger, damit die Welt der Barbie perfekt wurde und der Geldbeutel der Eltern dünner - aber das Erfolgsmärchen wurde immer länger und hat auch heute noch kein Ende. Barbie passte sich an jeden Trend an - trug sie anfangs noch das klassische Make-up mit dramatischen Augenbrauen und ausgezogenem Lidstrich, setzte sie später auf mehr Natürlichkeit. Die langen Beine der Schönen wurden mit unsichtbaren Knickgelenken ausgestattet, damit die Puppe lebensechtere Posen einnehmen konnte. Auch Puppen mit sonnengebräunter Haut kamen als Strandschönheiten mit allerlei Badezubehör auf den Markt.

Nur ein Modepüppchen?

Barbie-Modelpuppe im blauen Kleid

Barbie "Ceri" im blauen Kleid

Die Körpermaße waren zwar fürchterlich übertrieben, denn vorstehender Busen mit Wespentaille und extrem langen Beinen machten einen eher karikaturhaften Eindruck. Barbie trug natürlich nur High Heels, weswegen ihre Füße vorgeformt waren. Und tatsächlich hieß es, dass die Puppe ein nicht erstrebenswertes Ideal verkörpere, ein Frauenbild, das rein auf "Modepüppchen" fokussiert sei. Das klang zwar logisch, war aber keineswegs so - denn die gut gebaute Powerfrau hatte zwar mit Sicherheit einen Modetick - aber seit den 70ern hatte sie weitaus andere Dinge im Kopf. Von Snowboard bis Fahrrad, Flugzeug ✈ und Westernpferd gab es nichts, was sie nicht einsetzen konnte, die Beherrscherin des Kinderzimmers.

Von der gepflegten und stilvollen jungen Frau der Anfänge war nichts mehr übrig - Barbie wurde sogar Pilotin. Den Tauchschein hatte sie sowieso, und es gab kaum einen Beruf, den sie noch nicht ausgeübt hatte. Der PC in Pink gehörte selbstverständlich dazu - und wenn Barbie nicht mit ihrem Pferdetransporter unterwegs war, fuhr sie eine sportliche Flunder oder spielte E-Gitarre ♫. Als Astronauten-Barbie geht sie auf Weltraum-Mission, und natürlich bedient sie auch in Fastfood-Restaurants. Sie machte alles mit: Die Aerobic Welle genauso wie die Karaoke Manie. Und sie wurde politisch korrekt, denn mit der Zeit gab es farbige, lateinamerikanische, asiatische und native Puppen - für jeden Käufer das passende Modell. Sogar eine Puppe, die im Rollstuhl sitzt, gibt es.

Barbies Körper erfuhr zweimal eine Veränderung, um sie den tatsächlichen Maßen junger Frauen ein wenig mehr anzugleichen, die Gesichter passten sich mehr dem Zeitgeschmack an und ihre Moden natürlich auch. Als große Tierfreundin hat Barbie natürlich einen richtigen Heimtier-Zoo um sich versammelt - vom Golden Retriever bis hin zur Perserkatze.

Sammelleidenschaft und Barbie

Barbie: Die Frau von der man spricht

Barbie "Celeste": Die Frau von der man spricht

Aber die glühendsten Verehrer hat dieser geschäftliche Jahrhunderterfolg nicht unter den kleinen Mädchen, sondern unter den Erwachsenen, denn Sammelleidenschaft und Barbie ... das passt hervorragend. Die Sammler-Editionen bewegen sich von etwa dreißig Euro bis hin zu mehreren hundert. Viele Berühmtheiten sind im Barbie-Format zu haben, mit authentischem Gesicht. Liz Taylor, Cher, Elvis Presley, Frank Sinatra, James Dean und viele andere in originalem Outfit gehen über die Ladentheke und sind die Highlights der Wohnzimmer-Vitrinen.

Namhafte Designer haben sich des Models im Taschenformat angenommen und es zu einem Kunstobjekt gemacht, das in verschiedenen Editionen erhältlich ist. Von Pink bis Platin, der Königsklasse ♕, variieren die Preise und die Ausstattung. Und niemand stört sich mehr an den Maßen oder der schlechten Vorbildfunktion, welche es eigentlich niemals gab. Die Mädchen nahmen die Freundin, die stellvertretend so richtig etwas unternehmen konnte, begeistert auf.

Barbie konnte herausgeputzt wie eine Prinzessin die Ballkönigin sein, sie konnte aber ebenso Handkantenschläge verteilen. Die allerwenigsten ließen ihre 30 cm große beste Freundin nur kichernd vor dem Kleiderschrank hin und her laufen, weil sie sich nicht für ein Kleid entscheiden konnte. Barbie konnte alles das tun, was man selbst nicht konnte oder durfte - und sie half beim Erwachsenwerden, allein durch die Möglichkeiten, die sie aufzeigen konnte. Außerdem war die Puppe nie als Hausfrau und Mutter ausgewiesen, sondern immer als berufstätige Frau. Ihre Freundin Midge durfte heiraten, und mit dem riesigen Angebot an Hochzeitszubehör konnten die Mädchen natürlich auch in diesem Klischee schwelgen.

Für Romantik keine Zeit

Barbie Bubble Shoe

Barbie Bubble Shoe

Midge und ihr Gatte sind mittlerweile Eltern geworden 💖, und der Renner war eine Zeitlang die kurz vor der Niederkunft stehende Midge, mit der man die Geburt immer wieder in Szene setzen konnte - dafür sorgte eine Bauchklappe, hinter der sich ein winziges Baby verbarg, das herausgenommen werden konnte. Doch Barbie ist nicht gebunden, sie tut was sie will und steht mitten im Leben. Bei all den Aktivitäten kann sie sich eine Ehe wohl nicht leisten - heute mit der Gitarre auf der Bühne, morgen beim Abfahrtslauf in den Alpen und dann gleich mit dem Jet zum Rodeo... da bleibt für Romantik keine Zeit.

Barbie wurde als pädagogisch genauso bedenklich eingestuft wie Comic-Heftchen - man wetterte gegen sie, da man in ihnen eine ernste Gefahr für die Jugend sah. Nun ja, die Hefte waren schrill, bunt, maßlos übertrieben und wahnsinnig spannend. Und unverzichtbar zum Träumen waren sie auch - genau wie Barbie.